Wenn ein Regenschirm Regen macht
„In Strömen“: Außergewöhnlicher Kunstparcours im Eschbachtal
Bis zum 1. Oktober ist das Eschbachtal zwischen Unterburg und Heintjeshammer ein besonderer Ort. Auf einem 7 km langen Parcours haben Künstler diesen Ort verwandelt und präsentieren in den nächsten vier Monaten Überraschendes auf dem neu angelegten Regionale-Wanderweg.
Die am 2.6. eröffnete Ausstellung „In Strömen“ ist Bestandteil der Bergischen Expo ’06. Sie thematisiert unter anderem das, was dieses Flusstal besonders charakterisiert: Reste von frühindustriellen Anlagen, Kotten und Hämmer, Teiche, Stauwehre und Seitenkanäle machen die Geschichte des Ortes sichtbar.
Die ausgestellten künstlerischen Arbeiten beziehen sich aber nicht nur auf den Ort, sie haben auch alle ein gemeinsames Thema: „In Strömen“ ist eine Ausstellung über den Regen, den Fluss und die Zeit. Gleichsam als Motto über der gesamten Ausstellung steht ein Zitat des griechischen Philosophen Heraklit: „Man kann nicht zwei mal in den selben Fluss steigen.“ Es ist eine Ausstellung zur Zeit, und der Eschbach wird damit zu einer Metapher für die Zeit.
Wichtig für die Zusammenstellung der Künstlergruppe war Ausstellungs-Kuratorin Ulrike Böhme daher, dass die Arbeits- und Herangehensweise möglichst vielfältig sein sollte, und das ist ihr sehr gut gelungen. Die Werke, die entstanden sind, können unterschiedlicher nicht sein: Eine Reihe von olfaktorischen, akustischen, deskriptiven und skulpturalen Arbeiten – Narratives, Recherchierendes, Sinnliches, Komisches, historisch Reflektierendes.
Der Berliner Künstler Christian Hasucha errichtet den Grundriss eine Berliner Wohnung auf einem Teich und gibt dort Berliner Zimmerpflanzen eine Auszeit vom Stadtleben. Diemut Schilling überrascht mit Kuckucksuhren an unerwarteten Orten und Stefanie Klingemann erzählt und inszeniert die Legende vom Eschbachtal. Die Berlinerin Sissel Tolaas konserviert den Duft des Eschbachs und kreiert zwei Parfums daraus. Ritula Fränkel und Nicholas Morris erzählen, wie die Arbeit in den Hämmern die Menschen früher krank gemacht hat, indem sie Röntgenaufnahmen von Staublungen in rätselhaften Mobiles präsentieren. Susanne Hinkelbein lässt in einer Toninstallation ein Abwasserrohr erklingen und Bianca Grzanowski zeigt auf, wie ein Skizzenbuch und Briefkästen helfen können, diesen Ort mit ganz anderen Augen zu sehen und völlig neu zu erleben. Die Amsterdamer Künstlerin Ester Polak entwickelte ein Wasserrad, dass Töne über einen Lautsprecher erzeugt und der Schweizer Roman Signer verwirklicht eine Konstruktion, die wie ein absurdes Perpetuum Mobile wirkt: Ein umgedrehter Regenschirm über dem Fluss, aus dem es in regelmäßigen Abständen regnet.
Während die Künstler in den Tagen vor der Ausstellungseröffnung bei ihren Aufbauarbeiten wegen des tagelangen Dauerregens reichlich Gelegenheit hatten, über die Bedeutung des Ausstellungstitels „In Strömen“ zu sinnieren, wechselte das Wetter wie auf Bestellung pünktlich zur Eröffnung. Der Regen hörte auf, es kam sogar die Sonne durch.
Für ein halbes Jahr bleibt im Eschbachtal die Kunst im Fluss: Die Ausstellung dauert noch bis zum 1. Oktober und ist rund um die Uhr besuchbar.
Beteiligte Künstler: Sissel Tolaas, Esther Polak, Stefanie Klingemann, Bianca Grzanowski, Roman Signer, Christian Hasucha, Diemut Schilling, Ritula Fränkel und Nicolas Morris, Susanne Hinkelbein.

